#23 | Voir Venise - et mourir

La Serenissima

Einmal die Schönheit der Lagunenstadt selber sehen, mit eigenen Augen. Einmal das Flair selber erleben, die morbide Schönheit mit eigenen Augen aufsaugen. Selber sehen, dass ein Leben quasi im Wasser besser sein kann als ein Laben am Wasser.

Venedig - aus der Not heraus gebaut auf Stehlen und Stein. Stadt-gewordener Beweis, dass das Beste manchmal aus dem Unperfekten, dem Improvisierten, dem Unpraktischen entsteht. Zumindest hätte wohl niemand der Leute, die Venedig in die Lagune bauten, gedacht, dass hier eine der meist besuchten Städte Europas entsteht.



Und hier liegt auch schon die Crux: Venedigs Charme ist dermaßen groß, dass er auch Venedigs Problem ist. Denn tausende und abertausende Touristen strömen in die Stadt. Im Jahr 2007 waren es 21 Millionen, in 2011 schon 30 Millionen! Und wie wir Menschen so sind, lassen wir alles durch uns leiden: Müll, Abgase. Verdrängung des Wassers, Verdrängung der Venezianer.



Was tun? Venedig nicht besuchen? Damit wäre wohl auch nicht geholfen. Aber wir alle haben Verantwortung für unser Tun. Wir alle wissen, dass die auf AirBnB angebotenen Wohnungen meist kommerzeille Vermietungen sind, die Einnahmen nur zum Teil versteuert werden und der Stadt somit Steuereinnahme in spürbarren Dimensionen entgehen.

Venedig im Rahmen einer Kreuzfahrttour "mitnehmen"? Wer einmal gesehen hat, wie riesig so ein Koloss ist, der in die Lagune fährt und dabei die Villen deutlich überragt und dessen Abgase ungefiltert ins Stadtzentrum gepustet werden, dem ist klar, dass dies zerstörerisch ist. Ein einziges großes Kreuzfahrtschiff spuckt viele Hundert, gar Tausend Tagestouristen aus, diese aber bringen das Geld v.a. in billige Souvenir-, Getränke- und Fastfood-Läden, nicht aber in die venezianisch geführten Hotels, Restaurants und Geschäfte. .

Aber auch Venedig trägt Verantwortung: Die Politik darf den Massentourismus nicht länger ungebremst in die Stadt lassen. Die Kreuzfahrtschiffe müssen ausgespertt werden und zwar bis weit vor die Stadt. Der Verdrängung der Einheimischen zugunsten steuerbetrügerischer Billigvermietungen muss nachgegangen werden.



Two roads divereged in front of me and I took the one less travelled by - and that made all the difference!


Quo vadis, Venezia? Du scheinst am Scheideweg zu stehen. Ich wünsche Du schlägste den richtigen Weg ein. Denn ansonsten, tja sonst wird "mourir im Spruch Voir Venise - et mourir sich wohl auf den Untergang Venedigs beziehen...


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Selten ist mir die Kehrseite des Tourismus so deutlich aufgefallen, wie in Venedig. Daher dieser blog-Eintrag.

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Alle Fotos wurden mit einer Nikon D5100, dem Sigma 18-35mm f1,8 Art, oder dem Nikkor 10-24 mm gemacht.



© LICHTundNICHT